Palmen und Rum – Dominikanische Republik

Wir haben zwei Wochen Dominikanische Republik gebucht. Strand und Palmen und Paradies und Touristen und am besten an nichts denken. Tatsächlich wurde es eine Reise, bei der ich viel über das Reisen gelernt habe.

 

Anfang September, ich hatte mich gerade mit Madlen auf einen Fuerteventura Trip geeinigt, meldete sich meine liebe Freundin Anne an einem Vormittag aufgeregt bei mir. Wir hatten schon vor einer Weile darüber gesprochen, dass sie ihren übrigen Urlaub zum Jahresende mit mir verballern möchte, ich war aber unschlüssig gewesen und hatte es über den Sommer auch ein bisschen vergessen. Doch Anne ist ein kleiner Deal-Fuchs und wirbelte mir mit einem Angebot entgegen: Direktflug in die Dominikanische Republik mit der Condor von Düsseldorf nach Punta Cana, zwei Wochen für 200€. Was sollte ich also dazu sagen? Buchen! Ein günstiges Airbnb in Las Galeras dazu und einen Mietwagen für zwei Wochen, damit wir unabhängig die Insel erkunden können. Mehr haben wir uns dann mit der Reise nicht mehr beschäftigt…

PUNTA CANA TO SAMANA

Anfang Dezember und nach 5 Stunden Autofahrt von Potsdam nach Düsseldorf und weiteren 10 Stunden Flug, kommen wir gegen 18Uhr Ortszeit in Punta Cana an. Übermüdet, es ist warm und feucht wie in einer Schwimmhalle und ich will doch nur aus dem Gebäude raus. Da wir natürlich absolut nicht vorbereitet sind (warum auch, ich kann doch weltweit am ATM Geld abheben), stehen wir etwas verwirrt vor der Passkontrolle, als die Reisenden um uns bereitwillig 10$ und 20$ Scheine für irgendeinen Touristenkram den Mitarbeitern überreichen. Ich bin noch vollkommen in meiner Fuerteventura-Vibe-Blase, die ich vor 8 Tagen erst verlassen habe und sehr dankbar, als ein Paar in unserem Alter uns auffordert, einfach hinterherzulaufen während sie laut “Working Crew” rufen. Wir werden durchgelassen und im nächsten Moment klingelt mein Handy, unser Airbnb Host Udo. Wir haben einen Mietwagen gebucht und Google schlägt uns eine 3 Stunden lange Route von Punta Cana nach Samana vor. Udo lacht, es ist dunkel, die Straßen gefährlich und wir werden mindestens 7 Stunden brauchen. Langsam dämmert uns, dass wir im Vorfeld vielleicht ein bisschen bessere Recherche über Land und Leute hätten anstellen sollen. Wir buchen ein günstiges Hotel per Booking.com noch bevor wir unser Gepäck haben.

An der Autovermietung spricht man Spanisch und gebrochenes Englisch mit uns, wir sollen noch irgendeine Versicherung buchen. Ob die notwendig und sinnvoll war, wissen wir bis heute nicht. Aber wir sollten auch noch lernen, dass die ganze “Mietwagen für zwei Wochen” Idee vielleicht generell ein kleiner Witz war. Wir verlassen endlich das Flughafengebäude und ich checke, dass es eigentlich gar kein richtiges Gebäude war und es draußen noch viel wärmer und feuchter ist. Unser kleiner KIA, der schon gut verbeult und für die Straßen hier viel zu tief gelegt ist, flitzt mit uns durch die Nacht und wir finden uns in einer dunklen Gegend mit umzäunten Grundstücken und Wachmännern, zwischen Sandstraßen und Palmenwäldern wieder.

Ein kleines Zimmer mit grün bemooster Dusche und lautem Ventilator. Wir sind übermüdet, ein bisschen überfordert und lachen darüber, wie unvorbereitet wir tatsächlich sind. In den nächsten Tagen erstellen wir eine Liste von Dingen, die man nicht in der Dominikanischen Republik tun sollte und die wir trotzdem machen. Aber erstmal schlafen und irgendwie an das feucht-heiße Klima anpassen, während Freunde und Familie in Deutschland bei 2 Grad zittern. Am nächsten Morgen sehen wir zum ersten Mal die Palmenwälder im Sonnenschein und haben Roadtrip-Feeling auf der Autobahn. Wir zahlen brav jede Maut und uns kommt zum ersten Mal ganz casual ein Geisterfahrer entgegen. Wir mit 120 Sachen und er in Flipflops und ohne Helm auf seinem Moped. Etwas später neben uns eine Familie, Mutter, Vater, Baby und Kleinkind – auf einem Moped, ohne Helm, okay. Die Fahrt wird aber erst in den Städten und Dörfern besonders aufregend. Unsere zahlreichen Versuche über die Bodenwellen zu fahren ohne aufzusetzen (haben wir irgendwann perfektioniert!), Kinder, Tiere und Dorfbewohner, die auf der Straße sitzen und Mopedfahrer, überall.

LAS GALERAS

Udo hat uns empfohlen in Samana einzukaufen, da die Supermärkte in Las Galeras sehr teuer sind. Wir fühlen uns ertappt, sind wir arroganten Europäer doch wirklich davon ausgegangen, dass hier alles günstiger wäre. Wir gehen natürlich in den falschen Supermarkt, kaufen viel zu teuer ein und werden irgendwie immer und überall belächelt. Das stört uns erstmal nicht weiter, doch vermisse ich zu diesem Zeitpunkt ein bisschen die entspannten Dude-Vibes, die ich in der Woche zuvor auf Fuerteventura erlebt hatte. Hier ist es laut, es riecht nach Benzin und ich kann mich kaum verständigen, weil nur selten jemand Englisch spricht.

In Las Galeras kommen wir bei Udo und Jynet im Coco Banana Resort an. Wir haben ein kleines Häuschen für uns allein und Udo wohnt mit seiner einheimischen Frau, die gerade hochschwanger ist, nebenan. Das Haus ist wunderbar und liegt direkt neben einem Bananenfeld, ca. 10min vom Strand entfernt. Nach 6 Stunden Fahrt und über 48 Stunden Reise wollen wir jetzt endlich unsere Füße ins Meer halten! Udo besteht darauf, dass Jynet uns begleitet, wenn wir die Hauptstraße entlang durch das Dorf laufen.

Las Galeras ist einfach, es gibt viele bunte Häuschen, aber auch viele Baracken. Kurz vor dem Strand finden wir einige Restaurants und Gift Shops. Vor ihnen eine Menge junger Männer auf ihren Mopeds. Sie grüßen Jynet und wir laufen entspannt zum Strand, wo es eine kleine Bar mit Restaurant gibt. Es ist 16.30Uhr, die Sonne geht langsam unter und das Meer ist ganz klar, türkis und warm. Rechts, links und hinter uns – riesige, schlanke Palmen. Vor der Bar ein Pick Up Truck, von dessen Ladefläche Kleidung verkauft wird. Wir haben unsere erste Pina Colada – direkt aus der Ananas. Dafür hat sich die Reise schon mal gelohnt.

Wenn es dunkel wird, hören wir an 8 von 10 Nächten laute Latinomusik. Und damit meine ich um einiges lauter als Rummel-Lautstärke. Wir sitzen auf unserer Terrasse und denken, das ganze Dorf feiert. Udo nimmt uns mit zur Banana Bar. Tatsächlich sind die meisten Läden leer, viele Einheimische sitzen davor und trinken Rum und Bier. An der Straße hängen überwiegend junge Männer rum mit strahlend weißen Sneakern, weißen Jeans und polierten Mopeds. Die Musik ist so laut, dass sich niemand so richtig unterhalten kann. Trotzdem wiederholt sich dieses Spektakel fast jeden Abend bis Mitternacht oder etwas länger. Udo sagt, wir gehen zu früh wieder nach Hause, der Dominikaner geht erst später tanzen.

LA PLAYITA

Der Playita Strand, drei Minuten Autofahrt von der Coco Banana Ranch entfernt, sollte das Ziel unseres ersten Relax-Days sein. Wir gönnen uns zwei Liegen für den Tag (ca. 5€), es ist alles sehr gepflegt und nicht viel los. In einem kleinen Häuschen verkauft eine stylische Dominikanerin frischen Fisch, gegrillt und mit Aubergine und typisch dominikanischem Reis, dazu einen kräftigen Mojito. An den meisten Orten, die wir besuchen werden, sind mehr Einheimische anwesend als Touristen. Wir bekommen unsere erste Kokosnuss vom Baum geschlagen, ich freunde mich mit den ersten Straßenhunden an und obwohl ich kein Fan von Strandurlaub bin, war diese Reise auch als entspannte Auszeit gedacht, um den Kopf nach diesem aufregenden Jahr abzuschalten.

Am dritten Tag hat Udo einen Ausflug für uns organisiert. Viele Trips kann man nur mit Guide oder Boot machen und das Angebot davon ist sehr groß, sodass wir beim Spaziergang durch’s Dorf oft von mehreren Seiten gleichzeitig angesprochen werden. Wir müssen schnell feststellen, dass wir als Touristen hier ein “Durchlaufposten” sind und selbst nette Gespräche, die sich im ersten Moment authentisch und offen anfühlen, sehr schnell zu Verkaufsgesprächen für Ausflüge werden. Wir nehmen gern Udo’s Hilfe an, auch wenn uns bewusst ist, dass er unausgesprochen auch an uns verdient. Vor Ort ist es schwierig einzuschätzen, welcher Deal gut ist und der Unterschied von “nett” und “verkaufsfördernd” fällt nicht leicht. Wir sind zwei Mädels, denen Tourist auf der Stirn steht, auch wenn wir Udos Rat befolgen und weder viel Schmuck tragen, noch mit Kamera und iPhone durch die Gegend rennen. Wir fragen uns öfter, wann die Situation wirklich gefährlich ist und wann sie uns so präsentiert wird, damit wir einen Guide buchen.

PLAYA MADAME

Eines ist sicher, wir haben gemischte Gefühle vor unserem Ausflug zum Playa Madame zu zweit allein mit drei Locals. Udos Bekannter und seine zwei Söhne sollen mit uns die Tour zum Playa Madame machen. Zu dieser kleinen Bucht kommt man nur zu Fuß durch den Dschungel. Den Weg bis dahin wollen wir mit Pferden beschreiten, wobei ich noch nie geritten bin aber sehr froh sehe, dass die Tiere nicht so ein Metallteil im Maul haben. An manchen Stellen war es trotzdem grenzwertig. Wir “reiten” also entspannt durch das Dorf, am Touri-Strand eines Hotelresorts entlang, einen Berg hinauf, Bananenblatt-snackend durch ein Feld und ein Stück in den Dschungel, bis wir das letzte, sehr steinige Stück an Höhlen entlang zum Strand klettern. Auf dem Weg treffen wir ein deutsches Pärchen, dass sich im Wald verirrt hat und sich dankend anschließt.

Die Bucht und der Strand sind einfach nur ein Traum. Udo meint, es ist schon lang nicht mehr so schön wie früher (aber das hat er über fast alles auf der Insel gesagt), doch sind wir ganz begeistert von der einsamen Bucht und dem schönsten, natürlichen Strand ohne Liegen oder Imbiss oder irgendetwas. Die Söhne klettern mit der Machete ganz easy auf eine Palme und schlagen uns frische Kokosnüsse. Guide und Dad füllt sie mit Rum auf und überreicht sie uns mit einem breiten Grinsen “Coco Loco” – stark, aber ja irgendwie auch gesund meint ihr nicht?

Wir haben die Bucht eine dreiviertel Stunde für uns bevor das Hotel von nebenan drei volle Boote mit Touristen an den Strand schiebt. Auf einmal fühlen wir uns ein bisschen cooler, so als zwei reisende Mädels, mit drei Locals allein am Strand, die uns gerade ein typisch dominikanisches Mittagessen auf Palmenblättern zubereiten (Chicken Stew, Reis mit Erbsen und Tomatensalat mit ordentlich Essig) und mit Coco Loco und Cuba Libre abfüllen. Ich lerne, dass dieser hier mit einer 70-30 Mischung getrunken wird (70 ist natürlich Rum) und ohne Limette. Ich habe vorher nie Rum getrunken, auch das hat sich nach dieser Reise geändert. Wir bleiben noch zwei Stunden am Playa Madame und traben dann, ein bisschen heiter, zurück.

Während wir relativ schnell verstehen, dass Roadtrips hier nicht ungefährlich sind und meine Anne auf einmal einen positiven Schwangerschaftstest (happyhappyyy) vor mir wedelt, entscheiden wir uns die meiste Zeit die Gegend um Las Galeras zu erkunden. Am Playita kennt man uns und wir trauen uns gemeinsam ins Meer zu gehen. Immer wieder unternehmen wir Trips, wie zum Playa Rincon, der zu einem der schönsten Strände der Welt gehören soll.

PLAYA RINCON

Besonders dabei: ein eiskalter Süßwasserfluss mündet an der westlichen Seite des 3km langen Strandes direkt ins Meer. Wer möchte, kann mit einem Guide und Boot eine Tour durch den Mangrovenwald machen. Wir entscheiden uns für ein erfrischendes Bad in dem glasklaren, türkisgrünen Fluss, der leider wie das abgestandene Wasser in einer Blumenvase stinkt. Am Strand Algen und Gestrüpp aus dem Meer, dazwischen Plastikmüll. Danach riechen wir genauso und gemischt mit der Hitze, zieht es uns schnell weg zum Strand, der (obwohl es Samstag war) menschenleer und mit laut knallenden Wellen auf uns wartet.

Wir machen es uns gemütlich, springen abwechselnd in die Wellen und genießen den Ausblick bis mich Anne ganz ruhig hinweist, mein Handy und Buch einzupacken. Links hinter uns ein Jeep mit Jugendlichen, genau vor uns drei 11jährige Jungs, die erst im Wasser gespielt haben und jetzt immer weiter zu uns robben. Anne versteht irgendwas mit Geld, wir bekommen ein ungutes Gefühl, packen langsam unsere Sachen und gehen gemütlich zum Auto. Vielleicht war das übertrieben, aber ohne andere Touristen fühlen wir uns auf einmal sehr unbeschützt und nachdem wir den Motor eingeschalten haben, laufen die drei Jungs wild gestikulierend auf uns zu. Wir fahren zur Ostseite des Strandes, wo es Liegen und Imbisse gibt und vermissen ein bisschen die Playita, die nicht stinkt, nicht so verschmutzt ist und irgendwie überschaubarer.

(Dieses Bild ist von Pinterest whooops…)

Der nächste Ausflug ist von Joel und Ludi organisiert und wir fahren mit einem französischen Pärchen, dass anscheinend die Exclusive Variante gebucht hat, via Motorboot zum Playa Fronton. Man sagt, dass hier ein Teil von “Fluch der Karibik” gedreht wurde, nur weiß niemand wo oder was. Der Strand ist nur mit dem Boot erreichbar, da sich direkt dahinter hohe Klippen erschließen. Der Blick ist atemberaubend, der Himmel blau und die erste Kokosnuss schon von der Palme.

PLAYA FRONTON

Die Guides überlassen uns heimlich das Schnorchelset der Franzosen und Anne bringt mich zu meinem ersten Tauchgang. Auch an dieser Stelle wurde uns wieder gesagt, dass das Riff vor dem Strand einmal wunderschön war. Jetzt ist es grau, mit ein paar bunten Fischen und riesigen Seeigeln. Ich war trotzdem begeistert, vielleicht hätten wir auch mehr gesehen, wenn wir etwas erfahrener und weiter draußen geschnorchelt wären.

Wir sitzen mit dem Po im Wasser und lassen uns von den Wellen umspielen, als uns das erste Tablett mit Obst von hinten erreicht. Danach die Frage, ob wir Cuba Libra wollen. Wir verstehen schnell, dass die Guides (die fast in unserem Alter waren) uns heimlich die Reste der Franzosen anbieten und nehmen dankend an. Der Rest des Tages verläuft in einer witzigen Eigendynamik von wilden Bootstouren zum nebenliegenden Playa Madame, Erkundungstouren durch die Höhlen, mit Drink in der Hand Despacito singend und halbspanisch rappend mit den Guides im Wasser und im Bikini Bachata am Strand tanzend. Wir freunden uns an, es ist lustig und uns wird nicht einmal eine Tour angeboten, was alles so viel entspannter und authentischer macht.

Am Abend treffen wir die Guides wieder, sie bringen Cola und Rum vom Supermarkt. Der eine hat eine Freundin in Deutschland (wie so viele hier), der andere macht uns eine Liebeserklärung auf Spanisch. Wir verabschieden uns und lehnen den kostenlosen Bootstrip an den “Playa d’Amour”, wie sie ihn nennen (ein kleiner Strand zwischen Playita und Rincon), ab. Schade, ich hätte gern ein bisschen local Anschluss gehabt, aber natürlich nicht auf diese Art.

Die Tage vergehen und neben Ausflügen nach Samana zum Einkaufen mit Jynet, haben wir einen Platten im Reifen, der uns in fünf Minuten und für ca. 5€ geflickt wird. Wir bewegen uns in einer Blase von großartiger Gastfreundschaft und wirren Geschichten von Orten, an die wir nicht gehen sollten, Plätzen, an denen wir überfallen würden und Abenden an der Banana Bar, wo wir ohne Udo das vierfache zahlen, während wir junge Mädels in knappen Kleidern beobachten, wie sie Ü60 Touristen bezirzen. Nachts schließen wir unsere Metallgittertür mit zwei dicken Vorhängeschlössern ab, während Udo etwas weiter hinten, drei Tore verschließt und zusätzlich zwei Überwachungskameras und drei Wachhunde bei sich hat. Das Licht bleibt auf dem Grundstück an und wir hören streunende Hunde oder Schritte oder Reißverschlüsse… es ist sehr aufregend hier. Stirbt einer der vielen Straßenhunde, jault nachts das Dorf wie ein Wolfspack und mir läuft es kalt den Nacken herunter.

JUNGLE HIKE EL LIMON

Wir entschließen uns für einen Trip zum bekannten Wasserfall in El Limon. Auf dem Weg treffen wir immer wieder winkende Guides an der Straße, mit Schildern und abgemagerten Pferden. Ich habe gehört, dass die Pferde besonders hier kein gutes Leben führen und wir möchten auf jeden Fall wandern. Außerdem macht mich das beachen wahnsinnig und ich muss meine Füße bewegen. Wir fahren in eine Kurve und auf einmal fährt neben mir auf dem Mittelstreifen ein Moped und ruft in mein Fenster “El Limon?”. Die Guides werden immer aufdringlicher und wir befolgen Udos Tipp, bis in die Stadt zu fahren. Wir finden einen Veranstalter mit einem kleinen Haus und Privatparkplatz. Am liebsten würden wir die Tour allein machen, aber immer wieder sagt man uns das sei unmöglich oder zu gefährlich oder es gäbe zu viele Wege. Wir fragen nach einer Tour und finden einen Guide, der mit uns wandert und uns nicht auf der Straße angeschrien hat – whoop!

Wir wandern ca. eine Stunde durch den Dschungel und über einen Berg. Es sind feucht-heiße 30Grad und ab und zu gibt es Nieselregen. Wir haben wieder Glück und erwischen den Wasserfall in einem einsamen Moment. Er ist frisch, das Wasser milchig und uns wird ein Papagei auf die Schulter gesetzt. Wir springen abwechselnd in das kalte Wasser – großartig! Zehn Minuten später kommen ca. 30 Touristen um die Ecke – bloß weg. Durch mehrere Flussbetten geht es einen anderen steilen und steinigen Weg zurück. Insgesamt wandern wir ca. 10km durch den Wald bis wir wieder in dem kleinen Ort ankommen. An der Straße kaufe ich Kaffeebohnen (die sich zu Haus als ein bisschen zu schwarz geröstet herausstellen) und gemahlenen Kakao vom selbsternannten Maestro aus seiner Holzbude.

Nachdem wir gelernt haben, dass wir zum Flughafen eher 7 als 3 Stunden brauchen, entscheiden wir uns einen Tag eher abzureisen. Anne wünscht sich eine Übernachtung in einem All Inclusive Hotelresort und auch ich hätte Lust auf einen Tag ohne Tourguides am Straßenrand. Wir buchen ein Zimmer in La Romana.

HOTEL RESORT

Nach zwei Wochen gut eingelebt im dominikanischen Alltag, kommt uns das Hotel wie Plastik vor. Alles künstlich angelegt, alles sauber. An der Bar freue ich mich auf eine All Inclusive Pina Colada – und bekomme den fertigen Mix aus der Packung, die ich gestern noch im Supermarkt in Samana gesehen habe. Es schmeckt ein bisschen nach Spülmittel und meine Nase ist ordentlich verwöhnt nach zwei Wochen sonnengereifter Ananas. Neben mir bestellt ein Herr Cuba Libre und der Barkeeper antwortet, es gäbe leider keinen braunen Rum. ich verschlucke mich fast, ist der Extra Viejo (mein Favorit) hier günstiger als Sonnenmilch.

Das Buffet ist eine große Enttäuschung und irgendwie fühlen wir uns hier zwischen den Familien und Animateuren fehl am Platz. Es ist unauthentisch, der Strand und das Wasser schön, aber es fehlen die lachenden Locals, die verrückten Straßenhunde, der zahnlose Opi mit Machete und Kokosnuss. Am nächsten Morgen sind wir die ersten am meterlangen Steg, der werbefotoreif ins türkise Wasser führt. Natürlich sind die ersten Plätze schon vor dem Frühstück mit Handtüchern belegt, aber wir nutzen die Einsamkeit um ein ordentliches Arschbomben-Video von Anne zu drehen. “Wir trinken noch aus, dann kommen wir wieder nach Haus.” Eine kleine Nachricht an die Freunde, die uns nach zwei Wochen Palmenbildern im Dezember noch liebhaben.

Kurz vor Abflug geht es noch an die berühmten White Sands. Das Navi schickt uns direkt in eine Hotelanlage und wo wir nicht weiterkommen, lassen uns die Hotelguards heimlich durch den Hintereingang zum Strand fahren. Wir parken in einer Müllhalde am Wald. Wo uns weite weiße Strände erwarten sollen, steht eine Liege an der anderen und eine Bude neben der nächsten. Wir sind so froh die Insel auf eine andere Art kennengelernt zu haben.

Da wir uns mit dem Land und auch den Empfehlungen (zum Beispiel des auswärtigen Amtes oder anderer Touristen) erst vor Ort beschäftigt haben, schrieben wir eine Liste von all unseren “Regelbrüchen” 😉

11 DONT’S IN DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK

  1. Man sollte nicht allein Autofahren. Die Straßen sind sehr schlecht (in einem großen Schlagloch steckte ein Stock, darauf eine bunte Chipstüte als Warnsignal), es sind viele Menschen, kleine Kinder und Tiere direkt darauf unterwegs (auch sitzend) und bei einem statistisch sehr wahrscheinlichem Unfall gibt es viele Folgen, u.a. ein möglicher Gefängnisaufenthalt. Wir denken, das es schon geht, wenn man aufpasst. Im Dunkeln oder zu oft wollten wir trotzdem nicht zu zweit umherdüsen oder in unbekannten Dörfern anhalten. Was den echt teuren Mietwagen irgendwie etwas sinnlos gemacht hat.
  2. Man sollte niemals das Hotelresort verlassen. Wir finden, das ist Quatsch und man sollte sich auf jeden Fall das Land, die Leute und vor allem die Folgen dieses Wahnsinnstourismus anschauen.
  3. Man sollte keine eigenhändigen Ausflüge machen. Udo hatte oft Bange um uns, wenn wir allein unterwegs waren. Woher das kam, da sind wir nicht sicher. Oft hätten wir uns aber tatsächlich eine männliche Reisebegleitung gewünscht, was mich etwas traurig gemacht hat.
  4. Man sollte nachts nicht allein auf die Straße gehen. Dazu haben wir gemischte Gefühle. Wir hätten gern nachts länger draußen im Dort gesessen. Nur der Vibe war weder entspannt, noch sicher. Vielleicht ist es in einer Stadt anders.
  5. Man sollte nicht dort schwimmen, wo man nichts sehen kann. True Story, dann wäre ich auch am ersten Tag nicht in den Seeigel getreten.
  6. Man sollte die Mittagssonne meiden. Na das muss jeder selber wissen. Wir waren da echte Pro’s und pünktlich um 11 am Strand!
  7. Man sollte nicht barfuß auf dem Pferd durch den Dschungel reiten. Yep. Wir haben unsere Füße in feinen Sandalen ohne Ende durch die Büsche gezogen.
  8. Man sollte nicht im Supermarkt einkaufen. Wer es findet, sollte in Samana in den Großmarkt gehen, der einfach eine offene kleine Halle am Straßenrand ist. Es ist laut und voll, selten stehen irgendwo Preise, aber es ist mehr als die Hälfte günstiger.
  9. Man sollte die Touristenkarte am Flughafen kaufen. Nope, ihr seid “Working Crew”!
  10. Man sollte keinen zu auffälligen Goldschmuck tragen. Wir haben unsere zarten Kettchen anbehalten, auf alles andere wie viel Make Up (braucht man bei der Sonne ja eh nicht) oder Kameras verzichtet. Tatsächlich sind die Verhältnisse sehr schlecht und man fällt außerhalb der Hotelburgen sehr auf, auch ohne europäischen Schnickschnack. Am letzten Tag habe ich viele Fotos aus dem fahrenden Auto geschossen oder wir haben kurz angehalten. 
  11. Man sollte seine Getränke ohne Eis bestellen. Das ist ein bisschen Zufallssache. Uns hat es beide einmal erwischt. 

MEMORIES OF THE CARRIBEAN

Fast 4000 Worte über zwei Wochen Karibik. Ich hatte es mir anders vorgestellt, touristischer auch im Landesinneren, nicht so schmutzig und zerüttet. Vielleicht waren wir an manchen Punkten zu ängstlich, was an unserer fehlenden Abenteuerlust zum Jahresende, Annes neuen Umständen und der Tatsache lag, dass wir uns einfach Null damit beschäftigt hatten. Das habe ich gelernt. Nie wieder weite Reisen ohne mich vorher etwas zu belesen. Denn vor Ort verzerrt es das Bild und es war zumindest für uns sehr schwer ein Gefühl für Wahrheit und Gefahr zu haben.

Ich sehe, welches Paradies diese Insel gewesen sein muss und es für uns Ostsee-Badeurlauber auch ist. Leider sehe ich aber auch ein nicht funktionierendes System, welches sich nur um den schnellen Tourismus dreht und null nachhaltig ist. Dazu eine enorme Umweltverschmutzung, die mir das Herz gebrochen hat. Ich hatte so oft das Bedürfnis mit einem Müllbeutel durch die Palmen zu jagen. Und von Walen, Tierschutz und der Stellung der Frau brauchen wir gar nicht zu beginnen. Wie gut es uns hier nur geht.

Ich lege jedem ans Herz, die Insel ohne Hotelresort zu besuchen und am besten mit etwas Zeit um die Inseln in der Umgebung zu erkunden. Schaut Euch die Strände an und sagt Nein, wenn die Tiere schlecht aussehen oder man Euch auf die “Barcadi-Insel” schleppen möchte. Wir als Touristen bestimmen das Angebot. Adios!
5 Comments
  • Liebe Sarah,

    eigentlich wollte ich nur mal schauen, was es auf dem Blog so Neues gibt und habe jetzt tatsächlich alle 4000 Wörter gelesen. Eure Reise klingt wirklich mehr als aufregend. Ich finde es sehr spannend einen so ehrlichen Reisebericht zu lesen. So schön die Bilder auch sind, ist es doch sehr schade, wenn des Öfteren das Gefühl von Gefahr mitschwebte. Aber vielleicht hast du recht, dass das Ganze mit etwas mehr Vorbereitung auch anders gewesen wäre.
    Ich habe noch die Worte von Freunden von mir im Ohr, die stolz erzählt haben, wie sie ihren All inclusiv-Urlaub in der DomRep verbacht haben. Klar, sie waren da, aber das Land kennengelernt haben sie höchstwahrscheinlich nicht einmal ansatzweise so wie ihr.
    Auf jeden Fall ein sehr schöner Bericht und tolle Bilder.

    Liebste Grüße
    Anna

    March 23, 2018 at 8:37 am
  • Ein richtig cooler Bericht – Respekt! Ich habe tatsächlich alles gelesen, obwohl ich es gar nicht wollte. Absolut spannend geschrieben! 😉
    Ich kann viele Punkte nachvollziehen, auch wenn ich vielleicht einiges anders sehe.

    Das Zimmer in Punta Cana kenne ich anhand des Fotos aus. Sieht mir wie die Option aus, die regelmäßig bei Booking.com als eine der günstigsten Optionen auftaucht. Respekt jedenfalls für Eure Spontanität, da können sich diejenigen, die schon 6 Monate vorher nach dem richtigen Moskitospray in ihrem 5-Sterne-Klimaanlagen-Resort fragen eine Scheibe abschneiden.

    Rum und Mixer 70/30 – völlig korrekt. Genau so schmeckt ein richtiger Cuba Libre.

    Falls Ihr das nächste Mal zum El Limon geht – natürliuch kann man dort auch alleine hin. Beim ersten Mal habe ich auch noch auf die Guides (“zu gefährlich”, “man verläuft sich”) gehört, aber das ist natürlich nur, damit man deren Tour mitmacht und sie etwas verdienen. Hier gibt es alle Infos zu den einzelnen Wanderwegen und sogar eine Karte: http://www.my-travelworld.de/dominikanische-republik/salto-el-limon/
    Mittlerweile war ich bereits 4x am Wasserfall, immer wieder traumhaft schön, vor allem vor 09:00 und nach 15:00.

    Eigenhändige Ausflüge kann man überall im Land machen. Ich wohne mittlerweile seit 3 Jahren hier und habe (zum Glück, einmal auf Kolz klopfend) noch nie negative Erfahrungen gemacht. Gut, bin halt auch ein großer Mann, wobei es hier eigentlich so ist, dass wenn Kriminalität (die vor allem in den Großstädten mit Ausnahme der Zona Colonial in Santo Domingo hoch ist) vorkommt, dann gegen alle Bevölkerungsschichten und -arten.
    Touristenkriminalität außer ein bisschen “übers Ohr hauen” gibt es eigentlich ziemlich wenig.

    Ja, als Tourist wird man leider häufig als wandelnder ATM gesehen, vor allem in den touristischeren Gegenden (wobei ihr da mit Las Galeras schon einen guten Fang gemacht habt). Da hilft nur die Konversation zum richtigen Zeitpunkt beenden, was ihr wohl gut hinbekommen habt. Ist manchmal super nervig, aber leider nicht zu ändern und manchmal bei den Lebensverhältnissen der Dominikaner auch nachvollziehbar.

    Toll finde ich Euren Schlusspunkt mit dem AI-Resort, denn es zeigt genau, was viele Nur-Resorturlauber leider nicht verstehen: das Leben im Resort hat nichts mit der Lebensfreude und der Authenzität des Landes zu tun – es ist eine Scheinwelt. Von daher finde ich es cool, dass ihr das Abenteuer so angenommen habt und jetzt hoffentlich auch zum Rum-Trinker mutiert seid. Vor meinem ersten Karibik-Aufenthalt habe ich auch nie Rum getrunken, mittlerweile ist es mein Lieblingsgetränk im alkoholischen Bereich. Karibik halt! 🙂

    Sonnige Grüße aus Santo Domingo
    Chris

    April 20, 2018 at 4:52 am
  • Oh, und das Fazit triffts natürlich absolut. Müllproblem ja, Drittewelt-Land ja, aber absolut traumhaft schön und faszinierend. Also raus aus dem Resort und die Dominikanische Republik kennenlernen. 🙂

    April 20, 2018 at 4:54 am

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