Surfing Zen

Als Teenager und viele Jahre meines jungen Erwachsenendaseins dachte ich, ich sei unsportlich. Ich hatte irgendwie keine große Lust und keinen Spaß an Bewegung in Turnhallen oder eingeengten anonymen Fitnessräumen. Joggen viel leider auch flach, da ich mich (obwohl ich die Natur schon immer sehr liebte) eher langsam zu Fuß durch Wiesen Wälder bewegte, anstatt hechelnd…

On the hunt for the right sport

Wie sehr man sich einreden kann, dass man etwas NICHT kann, ist oder darstellt wurde mir dann erst vor sieben Jahren bewusst. Zu Beginn meiner Psychotherapie habe ich auch meine Leidenschaft für das Yoga entdeckt. Diese allumfassende, na sagen wir mal körperliche Ertüchtigung, welche Körper und Seele in Einklang bringt, hat auch mir ein großes Geschenk gemacht: nämlich das Vertrauen in meinen Körper und dass um diesen wieder zu spüren, ihm zu vertrauen, der Schlüssel in der Langsamkeit, im Fokussieren und Atmen liegt.

 

In den darauffolgenden Jahren habe ich dann einigen anderen Sportarten eine Chance gegeben….der größte Fail war sicherlich hier die Woche Snowboarden in Österreich. Zu wenig Anleitung, zu viel Angst vor Geschwindigkeit…ich bin wohl so eher dann doch der Schlittentyp, als die Burton tragende Schneekönigin. Irgendwie schade dachte ich, aber so ist das eben. Rudern, Kajak fahren, Tanzen und Wandern…das sind die Outdoor-Aktivitäten, welche mich in den letzten Jahren abgeholt haben. Sie sind draußen, spielen sich in der Natur aber, sind nicht zu schnell, also irgendwie sicher und sie verlangen, dass ich meine Umwelt ganz genau beobachte und ja: es sind keine klassischen Mannschaftssportarten…ich bin wohl dann doch eher Marke Einzelkämpfer 😉

Wieso dann Surfen?

Wieso ich dann diesen Sommer zum Surfen kam? Gute Frage. Nennen wir es Intuition. Ich glaube nicht an Zufälle. Manchmal scheint einem das Leben einfach zu sagen was und wen es braucht um dir neue Leidenschaften, Wege zu eröffnen. Einer meiner großen Träume war es schon immer an einem Yoga Retreat teilzunehmen. Irgendwo, wo es warm ist und natürlich am besten am Meer. Als Kind bin ich an einem großen See groß geworden und Wasser hatte schon immer eine unglaubliche Anziehung ausgeübt (nur eben nicht im gefrorenen Zustand ;). Als ich das Netz also diesen März durchforstete, wurde mir schnell klar, dass es auch Yoga in Kombination mit anderen Aktivitäten gibt. Yoga und Wandern: mega cool. Yoga und Klettern: eher doof bei Höhenangst. Yoga und Surfen: und da war es, das Gefühl: Lass das probieren. Irgendwie fühlte es sich richtig an. Klingt komisch, ist es aber nicht. Bauchgefühl…auf das wollte ich eh viel viel mehr hören. Also hab ich es gebucht: eine Woche Surf- & Yoga Retreat in Portugal. In Peniche, Baleal. Was würde das wohl mit mir machen?

Surf und Yoga Retreat Portugal

Bei Apura Yoga habe ich dann in fünf Tagen á zwei Stunden meine Surf Reise gestartet. Ich sage ganz bewusst Reise, denn ich denke mit dieser Aktivität ist man nie fertig. Es ist wie beim Yoga und beim Meditieren: jedes Mal wenn du es machst, wenn du es praktizierst, macht es etwas mit dir. Wieso das so ist?

Lasst mich probieren zu erklären, was ich in dieser Woche gefühlt bzw. erfahren habe. Vor ab sei gesagt: Surfen ist mit Abstand das anstrengendste was ich jemals getan habe. In kurzer Zeit will es alles von dir, dein Körper schmerzt, brennt…aber er hat sich auch noch nie so gut angefühlt. Es ist kein Sport bei dem du unbedingt gegen andere antreten musst. Es ist ein Sport mit dir und manchmal kämpfst du vor allem gegen dich selbst. Gegen dein Ego, gegen die Wellen…doch dabei findet man, neben einer guten Welle, besonders eins: sich selbst.

Observe

Ich bin natürlich noch blutiger Anfänger und will an dieser Stelle keine Tipps geben, sondern nur von Erlebtem berichten. Was mir von Anfange an mega Freude bereitet hat, ist dass das Surfen dich mit der Natur, mit ihrer Gewalt auf eigene Art und Weise wieder verbindet. Du lernst zu aller erst den Ozean, das Wasser und die Winde zu beobachten. Zu respektieren und zu schätzen, dass sie dir in Form von Energie diesen Sport ermöglichen. Beobachtung, ein Gefühl wieder für den Moment zu bekommen und auch Respekt. Denn wer sich hier überschätzt, den überrollt das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes. WIPE OUT!

Let it go

Mein Motto für die gesamte Woche war: Lass los!

Lass deine Angst vor dem Wasser los, vor dir selbst und vor deinen Zweifel…aber auch deine Gedanken alles kontrollieren zu wollen. Wenn du anfängst auf dem Brett im Weisswasser zu paddeln um eine Welle zu bekommen, geht es nur nach Gefühl, …für den richtigen Moment wenn das Wasser dich erreicht, dich mitnimmt und auf diese Reise schickt. Ein Gefühl das wahrscheinlich nur mit Fliegen gerecht zu beschreiben ist. Du lässt dich mitnehmen.

Catch a Beauty

Bevor ich nach Portugal flog, hatte ich Bedenken, dass beim Surfen dasselbe passieren  könnte wie damals beim Snowboarden: hätte klappen können, tat es aber nicht. Doch genau das Gegenteil passierte. Ich hatte von Anfang Spaß, sei es dabei, dass auf Dauer doch recht schwere Longboard durch die Gegend zu schleppen, mich in und aus dem Wetsuit herauszupeelen oder mich durch die Wellen zu bewegen. Es hat sich natürlich angefühlt, das Wasser um mich herum, der Sand der sich wirklich an jeder erdenklichen Körperstelle befand 😉 … Surfen macht high und ist wohl die mit Abstand gesündeste Droge, die dir neben einem tollen Körpergefühl auch noch einen netten Teint schenkt.

Surfing Lifestyle

Ich würde lügen, wenn ich nicht auch erzählen würde, dass mich dieser komplette Lifestyle auch ziemlich anspricht, diese Attitüde der Dudes, welche um die ganze Welt reisen, immer auf der Suche nach der perfekten Welle. Immer draußen sein, an der frischen Meeresluft, mit salziger brauner Haut, glücklichen Gesichtern…die im Moment sind. Wie Sarah (meine Surf Lehrerin) es zusammenfasste: the surf seed is growing…and he is just planted.

More Impressions

Zu guter letzt: wenn ihr Euch auch schon einen kleine Surf-Vorgeschmack holen wollt, auf Netflix gibt es ein paar tolle Doku’s und Filme zum Wellenreiten:

  • Bella Vita
  • Surf Wise
  • Radical
  • Soul Surfer

 

Außerdem gibt es in diesem Sommer wieder in vielen deutschen Städten die SURF FILM NACHT, welche mit tollen Doku’s zum Thema Halt macht. In Leipzig gibt es am Donnerstag dem 22.Juni (auf der Feinkost) die Gelegenheit zwei Filme zu schauen. Ich bin auf jeden Fall dabei.

Ich hoffe Euch hat mein erster seehhr langer Post auf Oh So Boho gefallen.

Liebst,

Madlén

2 Comments
  • woooonderfull <3

    June 19, 2017 at 8:36 pm
  • Hallo liebe Madlén, ich hab mich gerade durch Deine beiden Yoga/Surfartikel gelesen und was soll ich sagen, ich bin absolut begeistert. Ich hab schon mehrere Surfversuche hinter mir, aber wollte das schon immer mal mit Yoga kombinieren. Das muss ich ausprobieren. Deine euphorischen Posts haben mich komplett überzeugt. Ich hoffe als Ü40 ist man noch nicht zu alt😜Lieben Gruß, Koko

    June 20, 2017 at 7:58 pm

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